26.04.26_Zwiesprache: Die Wunde, die nie heilte, doch zu singen lernte. Nachdenken über Franz Wright

Ich freue mich, mich in diesem Jahr für die Reihe „Zwiesprachen“ der Stiftung Lyrik Kabinett und des Verlags Das Wunderhorn einem für mich persönlich bedeutenden Lyriker zuwenden zu dürfen:

„Es gibt ein Leben, welches / hätte ich es haben können / ich für mich von Anfang an gewählt hätte“, schreibt der amerikanische Dichter und Pulitzer-Preisträger Franz Wright (1953–2015) in der letzten Strophe von „Das Gedicht“. Drei Verse, die einen der Grundsteine für seine Poetik legen. Wright, der nach Gewalterfahrungen in der Kindheit Zeit seines Lebens mit Drogenabhängigkeit und psychotischer Depression kämpfte, fand im Dichten einen Grund, bei Kräften zu bleiben, beschrieb es als Erlösung. Mit eleganter Einfachheit fächern seine Bände das Erleben von Wahn, Abhängigkeit, Einsamkeit, Sterblichkeit auf – und die Sehnsucht nach Gegenteiligem. Mit Ende vierzig wandte sich Wright dem Katholizismus zu und ließ sich taufen. Konsequenz seines Haderns mit der Welt und Ausgangspunkt seines poetischen Blicks wurde für ihn das Mitgefühl. Welche Empfindungen teilt ein Autor, der in seinem Gedicht „Die Welt“ schreibt: „Die Wahnsinnigen haben Recht, aber sie sind trotzdem wahnsinnig“? Und wie übersetzt er das in ein Werk von erstaunlicher Klarheit? 

Franz Wright in „Alder Street“:

[…]

Someone new may speak

if I, today, keep silent.

And any chair

that’s empty here,

that’s someone

who is dying:

Find him.

Meine Zwiesprache halte ich am 17. Juni um 19h im Münchener Lyrik Kabinett. Mehr Infos zur Veranstaltung: https://www.lyrik-kabinett.de/veranstaltungen/event/zwiesprache-sirka-elspass-ueber-frank-wright/

Im Herbst/Winter diesen Jahres wird der Vortrag außerdem in gedruckter Fassung im Verlag Das Wunderhorn erscheinen.